Über die Cheva

Geschichte

Giovellai

Die Gewinnung der Fexerplatten lässt sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen. Die Arbeiter, welche damals die «Cheva» betrieben, waren ausschliesslich junge Italiener aus dem hinter dem Piz Tremoggia gelegenen Val Malenco. Die sogenannten «Giovellai» kamen jeweils im November und Dezember ins Val Fex und bauten am Muot Ota bis in den März hinein Steinplatten ab. Gearbeitet wurde nur, solange es kalt genug war.

Bei Temperaturen von bis zu –25 Grad suchten sie im Berg nach geeignetem Gestein und verarbeiteten es zu Fexerplatten. Auch Unterkunft und Alltag im winterlichen Val Fex waren hart und karg. Es gab lediglich eine kleine, dunkle Stüva und im ersten Stock ein Strohlager, in dem manchmal bis zu 14 Männer übernachteten.

Von ihrer Mentalität her passten die jungen Männer «von drüben» gut ins Val Fex und verstanden sich mit den dort ansässigen, oft aus dem Bergell stammenden Familien. An gemeinsamen Abenden wurde gesungen und erzählt. Dazu ass man Salami und Käse aus der Heimat und trank Wein und Kaffee.

Heute ist kaum vorstellbar, wie die Männer mit ihrer einfachen Kleidung und den schlechten Schuhen der Kälte trotzten. Manchmal überquerten sie am Sonntag mit einfachen Skiern den Pass, um kurz ihre Familie oder ihre Liebste zu besuchen. Am Montagmorgen waren sie wieder zurück.

Das einfache Leben waren sie aus ihrer Heimat gewohnt. Das Val Malenco war damals abgelegen und arm, und auch dort arbeiteten fast alle Männer in den grossen Steinbrüchen.

Fexerplatten wurden nicht nur für Dächer verwendet, sondern auch in Innenräumen, etwa als Ofenverkleidungen oder Tischplatten. Mit der Einstellung des Abbaus Mitte der 1960er-Jahre wurden sie zunehmend rar und entwickelten sich zu einem begehrten Baumaterial.

Die Rettung

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Beinahe wäre die jahrhundertealte Gewinnung der Fexerplatten in Vergessenheit geraten. Doch einige Silser Bürger erkannten die Bedeutung dieses kulturellen Erbes für Fex und Sils und initiierten 2014 ein Projekt zu dessen Erhaltung.

Trotz anfänglicher Widerstände und verhaltener Begeisterung in der Bevölkerung hielten die Initianten an ihrer Idee fest. Ein entscheidender Schritt gelang, als die Bürgergemeinde zustimmte, das Gelände und die alten Steinhütten einer Stiftung zur Nutzung zu überlassen. Im August 2014 wurde daraufhin die «Fundaziun Cheva Plattas da Fex» gegründet.

In der Folge entstanden erste Pläne zur Restaurierung der ehemaligen Arbeiterhütte (Tegia), und Kontakte zu möglichen Sponsoren wurden geknüpft. Gleichzeitig sollte auch die Geschichte der Menschen bewahrt werden, die einst im Steinbruch gearbeitet hatten. 2015 bewilligte die Gemeinde Sils deshalb einen Kredit für einen Kurzfilm über die «giovellai/scarpellins» und ihre Arbeit im Fextal.

Besonders wertvoll war die Entdeckung zweier ehemaliger Steinbrucharbeiter im benachbarten Val Malenco, die in den 1950er- und 1960er-Jahren noch selbst im Fex tätig gewesen waren. Ihre Erinnerungen an den harten Arbeitsalltag und die Menschen im Steinbruch liessen eine beinahe verschwundene Arbeitswelt wieder lebendig werden.

Dank des verstärkten Engagements der Gemeinde Sils und der grosszügigen Unterstützung mehrerer Sponsoren konnten die historischen Anlagen schliesslich sorgfältig restauriert werden. Damit ist das Kulturgut zuhinterst im Val Fex aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Heute ist dieses bedeutende Stück Geschichte wieder sichtbar und erlebbar – als kulturelles Kleinod für Fex und Sils und darüber hinaus für das ganze Oberengadin.

Der Lehrpfad

Der Erlebnispfad lädt dazu ein, die Umgebung rund um die Cheva auf spannende und informative Weise zu entdecken. Hoch über dem Steinbruch führt der Weg durch das Gelände, wo noch heute Teile der alten Seilbahn zu sehen sind und an die frühere Nutzung des Gebiets erinnern.

Entlang des Pfades erwarten die Besucherinnen und Besucher neu gestaltete Posten mit anschaulichen Informationen, die über QR-Codes abgerufen werden können. Thematisch stehen die lokale Fauna und Flora, die Geologie der Region sowie der historische Transport der Steinplatten im Mittelpunkt.

Für die rund 45-minütige Begehung wird gutes Schuhwerk empfohlen, damit der Erlebnispfad sicher und angenehm erkundet werden kann. Ausgangspunkt ist die Alp da Segl.

Lehrpfad

Führungen

Während der Sommermonate finden regelmässig Führungen durch die Cheva Plattas da Fex statt. Sie bieten Gelegenheit, in die Geschichte des ehemaligen Steinbruchs einzutauchen und mehr über die Menschen, ihre Arbeit und das Leben an diesem besonderen Ort zu erfahren.

Die Führungen werden jeweils dienstags durchgeführt und dauern rund 1½ Stunden. Treffpunkt ist bei der Alp da Segl, oberhalb des Hotels Fex. Die regulären Führungen finden in deutscher Sprache statt. Für Gruppen können auf Anfrage auch Führungen auf Romanisch, Italienisch oder Französisch organisiert werden.

Eine Teilnahme ist nur nach vorgängiger Anmeldung möglich. Diese erfolgt über Sils Tourismus bis spätestens 11.00 Uhr am Tag der Führung unter der Telefonnummer 081 838 50 50. Die Führung findet ab einer Mindestteilnehmerzahl von sechs Personen statt.

Der Unkostenbeitrag beträgt CHF 15.– pro erwachsene Person. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre nehmen kostenlos teil.

 

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Literatur

Tod im Val Fex


Vierhundertfünfzig Schfe, ein störrischer Hütehund und jede Menge Selbstzweifel bestimmen den Alltag von Ex Kommisar Gubler. Seit seiner Freistellung arbeitet er im hintersten Fextal als Schafhirte, um den Verlust von Beruf und Ansehen zu verdauen. Als er in der Nähe des Gletschers Vadret da Fex eine Leiche findet, wird er aus seiner Resignation gerissen. Inmitten einer unerbittlichen Berglandschaft mit dunkler Vergangenheit stösst er auf ein fünfzig Jahre zurückliegendes Verbrechen und eine Mauer aus Schweigen und ein gut gehütetes Familiengheimnis rund um die ehemalige "Cheva".

Andrea Gutgsell: Tod im Val Fex. Zytglogge Verlag, S. 193

 

 

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Die Geschichte unserer Dächer

Die Stiftung Cheva Plattas da Fex hat den Comic «Die Geschichte unserer Dächer» herausgegeben. Autor ist Gian Enrico Ghilotti, die Illustrationen stammen von Andrea Iacobuzio.

Der Comic erzählt die Geschichte des Steinbruchs Cheva Plattas da Fex und zeigt, wie die dort gewonnenen Fexerplatten die charakteristische Dachlandschaft des Engadins geprägt haben. Im Mittelpunkt stehen die Steinhauer, die unter einfachen und harten Bedingungen vor allem während der langen Wintermonate im Fextal arbeiteten.

Die Publikation vermittelt auf lebendige Weise ein besonderes Stück Engadiner Kultur- und Handwerksgeschichte. Sie ist auf Romanisch, Deutsch und Italienisch erschienen und seit August 2022 im Buchhandel erhältlich. Bestellungen sind auch per E-Mail an info@plattas-da-fex.ch möglich.
 

Film

Wenn der November die Arbeit bringt

Der Trailer «Der November kommt bestimmt» erzählt die Geschichte der Cheva da Plattas da Fex und führt zurück in eine Zeit, als das abgelegene Fextal im Winter von harter Arbeit geprägt war. Im Mittelpunkt steht die Gewinnung der Fexerplatten – dünne Platten aus Glimmerschiefer, die über Jahrhunderte Dächer und Öfen im Engadin prägten.

Der Abbau war nur in den kalten Monaten möglich, wenn das Gestein gefroren war. Jeweils im November kamen die Arbeiter, viele von ihnen aus dem Val Malenco, ins Tal und blieben bis ins Frühjahr. Unter einfachen Bedingungen trotzten sie Kälte und Entbehrungen. Zeitzeugen erinnern an ihren Alltag und lassen diese vergangene Arbeitswelt wieder lebendig werden.

Nachdem der Steinbruch in den 1960er-Jahren aufgegeben worden war, drohte das Wissen um dieses besondere Handwerk verloren zu gehen. Heute setzt sich die Stiftung dafür ein, dieses kulturelle Erbe zu bewahren. Der Film ist eine Hommage an das traditionelle Handwerk und an die Menschen, die es über Generationen geprägt haben.

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Wo Sie uns finden

Die Ausgangspunkt Alp da Segl ist auf verschiedenen Wegen gut erreichbar. Von Sils Maria aus gelangt man bequem mit dem Pferdeomnibus oder der Kutsche bis zum Hotel Fex. Von dort führt ein rund 20-minütiger Fussmarsch hinauf zur Alp da Segl. Wer den Weg vollständig zu Fuss zurücklegen möchte, erreicht die Alp da Segl ab Sils Maria in etwa eineinhalb bis zwei Stunden. Alternativ bietet sich die Anreise mit dem E-Bike an, wofür ab Sils Maria rund 30 Minuten einzuplanen sind.

Von der Alp da Segl aus führt ein kurzer Fussweg weiter zur Cheva. Für den etwa zehnminütigen Marsch zum Steinbruch wird gutes Schuhwerk empfohlen. Weitere Informationen sind bei Sils Tourist Information oder unter der Telefonnummer +41 081 838 50 50 erhältlich.